Die Latte (Ode an die Latte)

heiss und willig stehst du nun
vor mir und brauchst nichts zu tun

ich will nur dich, du feuchter traum
an dir naschen, deinen schaum

ich nehm´ dich nah an mich heran
ob ich dich lang´ halten kann?

langsam gleitet tief hinab
kalter, harter umrührstab

ich stell dich zurück
und sehe voll glück

wie kleine schokopulverflocken
langsam aneinander docken

vereinen sich mit dir voll wonne
lieblich in der sommersonne

ich nehme dich mit grosser lust
mein herz klopft wild in meiner brust

der erste tropfen auf meinen lippen
heiss und feucht - ich will nur nippen

halt mich zurück in meiner gier
denn es sind noch andre hier

der erste schluck ist wunderbar
alles zwischen uns ist klar

du bist heiss und ich will dich
andere kaffees mag ich nicht

schluck dich auch nicht hastig runter
geniesse und werd langsam munter

lass dich zergehen, will alles spüren
lass mich ganz von dir verführen

gleitest hinab in meine mitte
und ich hab nur eine bitte

lass den moment für immer sein
wenn ich dein und du bist mein

doch dann ist es schon vorrüber
senk das glas und blicke nieder

erinner mich noch kurz zurück
an den moment, ans heisse glück

der nächste schluck ganz wohlbedacht
wie ich es zuvor gemacht

rinnst in meiner kehle nieder
und ich will es immer wieder

schluck für schluck bist du in mir
mein verlangen - pure gier

der letzte tropfen wohlgenuss
dann ist auch für heute schluss

morgen werden wir uns wieder sehen
und ich muss dir heute schon gestehen

kein anderer den ich je hatte
schmeckt so wie du, oh meine latte

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